Witterungsbedingt …

… oder warum der öffentliche Nahverkehr und ich keine Freunde sind!

Das es Ende November kalt werden kann, sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein und ab und zu Schnee in dieser Jahreszeit sollte niemanden überraschen. Oder doch?

Da ich die letzten 3,5 Arbeitswochen in diesem Jahr mal keinen Stress mit Scheibenkratzen und vereisten Straßen haben wollte, kaufte ich mir vorletzten Sonntag eine Wochenkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Ist auch nicht teurer als das Auto und von da her eine akzeptable und bequeme Alternative. Am Montagmorgen einmal die Gardine zur Seite gezogen, fühlte ich mich sofort bestätigt … es hatte geschneit. Yeah, alles richtig gemacht!?

Ich muss aber auch gleich sagen, dass Montag der einzige Tag in der Woche war, an dem alles nach Plan im Nahverkehr lief. Ich hatte also Hoffnung auf eine entspannte Woche. Dies änderte sich bereits am Dienstagabend: Wir wollten ins Kino gehen und ich war froh, dass meine S-Bahn von Halle nach Leipzig pünktlich ankam und ich so gleich die nächste Straßenbahn entern konnte … naja … 200 m die Straße rauf, ging das Licht aus … hinter uns das gleiche Bild. Kurze Minuten später erklärte der Fahrer es gäbe keinen Strom mehr auf der Oberleitung. Man könne aussteigen, wenn man will oder warten … naja ich lief dann nach Hause … 40 Minuten. 🙁 Kino gab es trotzdem noch.

Mittwochabend kam der Schnee nochmal verstärkt von oben hernieder. Unterstützt von einem starken Wind kam es bereits auf Straßen zu Verwehungen. Am Abend stand ein Weihnachtsmarktbesuch mit den Kollegen auf dem Plan. Wie jedes Jahr sehr lustig. 🙂 Ein Kollege, der etwas früher nach Hause gefahren war (er wohnt auch in Leipzig), schrieb mir 3 Stunden nachdem er uns verlassen hatte, dass er irgendwo auf freier Strecke mit der Bahn stand. Ich ahnte Schlimmes, als ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte.

Ein Blick auf die Anzeigentafel sprach Bände … entfällt … entfällt … verspätet … verspätet!  Da stand ich nun und erfuhr, dass wohl weder ein RE noch eine S-Bahn nach Leipzig fahren werden. Einzige Hoffnung die Nacht nicht im Büro zu verbringen war ein Inter City, den ich zwar mit meinem Ticket gar nicht nehmen dürfte, aber in solchen Situationen sei das egal! 🙂 Der IC kam kurz nach 22:00 in Halle an und immerhin schafften wir es bis kurz vor Leipzig, als der Zugbegleiter uns nach Stillstand des Zuges offenbarte, dass es wohl auf Grund von Weichenstörungen eine halbe Stunde länger dauern würde. Naja ich sorgte in meinem Wagen sogleich für Stimmung, als ich berichtete, dass mein Kollege nun schon über 3 Stunden mit der Bahn stand (wir standen in SMS-Kontakt und sein Zug hatte es immerhin bis 500 m vor den Hauptbahnhof geschafft). Das Warten begann…

Nach über einer Stunde wurde das Bordbistro freigegeben und jeder der mochte, konnte sich ein warmes Speißchen holen. Ich nahm ein paar Würstchen und eine kalte Cola. Naja immerhin ein kleiner Trost. Mein Kollege schrieb mir in diesem Moment, dass er es aus dem Zug geschafft hatte und nun in einer Straßenbahn Richtung Bahnhof unterwegs waren (sie hatten sich allerdings illegal mit Hilfe der Notbremse und Zwangsentgriegeln einer Tür ins Freie gerettet). Langsam wurde ich müde…

Nach weiteren 30 Minuten bewegte sich unser Zug wieder … bei einigen Reisenden kam schon das „Gleich sind wir da“ – Feeling auf. Aber denkste! Wir schafften es immerhin den Bahnhof Leipzig-Messe gegen 0:45 zu erreichen, an dem auch eine Straßenbahn Richtung Zentrum fährt, leider war diese aber um 0:35 letztmalig entschwunden. Es folgte eine erneute Ansage mit Bitte um Geduld und eine Andeutung einer wiedermal längeren Standzeit. Die Türen wurden entriegelt, so dass die Raucher im Zug sogleich den Bahnsteig bevölkern konnten. Nach 30 min und dem Wissen, dass alle Straßenbahnen am Bahnhof die letzte Fahrt hinter sich hatten und am Taxi-Stand wohl kein einziges Auto stehen würde (Danke an den Tippgeber!), entschied ich mich nicht mehr zu warten und nahm in Kauf die Strecke nach Hause zu laufen. Immerhin 35 Minuten durch Schnee und Wind.

Naja, ich kann mir Spannenderes vorstellen … kurz vor 2 erreichte ich die Haustür und war froh endlich  ins Bett fallen zu dürfen.

Am Morgen dann das gleiche Bild … erst eine knappe Stunde auf die Straßenbahn gewartet, dann auf dem Leipziger Hauptbahnhof auf der Suche nach einem fahrenden Zug gemacht. RE’s fielen aus, S-Bahnen fuhren ca. jede 2te Stunde. Mit einem verspäteten IC wieder nach Halle gekommen, dort dann aber wieder „witterungsbedingt“ keine Straßenbahn zu finden … laufen hält ja fit!!! Wenigstens bis zum Abend sollten sie es bei der Bahn doch in den Griff bekommen haben, oder? Weit gefehlt: wiedermal eine gestörte Weiche bescherte uns erneuten Aufenthalt … diesmal „nur“ 85 min. Man ist ja Schlimmeres gewohnt.

Zum Abschluss der Woche dann fast mal eine normale Fahrt nach Hause, doch leider blieben wir wieder 2 Stationen vor dem Leipziger Hauptbahnhof stehen … dort gibt es aber eine Straßenbahnhaltestelle, wo kurzentschlossene und leidgeplagte Zeitgenossen wie ich Anschluss fanden. 🙂

Alles in allem kann ich nicht verstehen, wie man nach 3 Tagen Schee und Eis bei der Bahn und LVB mal wieder alles nicht geregelt bekommt und sich jedes Jahr aufs Neue vom plötzlichen Wintereinbruch überraschen lässt. Das ist einfach mega fail. Sei’s drum … heute ist Mittwoch und 2,5 Tage lang war der Nahverkehr so wie ich ihn mir vorstelle … aber es soll ja ab heute wieder schneien. 😉  Man darf gespannt sein.

Ich freu mich schon wieder auf Anzeigen und Ansagen, die da beginnen mit „Auf Grund witterungsbedingter Störungen …“ Abenteuer Bahn Teil 2???

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