Ray Bradbury – Fahrenheit 451

„Es war eine Lust, Feuer zu legen. Es war eine besondere Lust, zu sehen, wie etwas verzehrt wurde, wie es schwarz und zu etwas anderem wurde.“

Mit diesen Worbc_fahrenheit_451ten beginnt Ray Bradburys Roman – Fahrenheit 451, welches ich zu einem meiner absoluten Lieblingsbücher zähle. Der Leser wird in eine nahe Zukunft entführt, in der es verboten ist Bücher zu lesen oder sie gar zu besitzen. Bücher gelten als Wurzel allen Unglücks und müssen daher mit allen Mitteln aufgespürt und vernichtet werden. Der Roman erzählt die Geschichte von Guy Montag, einem systemtreuen Feuerwehrmann, dessen Aufgabe in diesem totalitären Staat das eben Genannte ist – Bücher finden und verbrennen.

… sind sie Glücklich?

Eines Abends auf dem Weg nach Hause trifft er Clarisse, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, den Kopf voller Fantasie und verrückter Ideen. Sie kommen ins Gespräch und Montag lässt sich von ihrer Offenheit, ihrem Sinn für Schönheit und ihrem für 16 Jahre erstaunlichen Intellekt beeindrucken. Sie überrascht ihn mit der einfachen Frage „Sind Sie glücklich?“, deren Beantwortung ihn angesichts seines doch recht ansehnlichen Lebens einfach erscheint. Doch zwei nachfolgende Ereignisse rücken die Frage in ein völlig anderes Licht.

… es war ein seltsames Feuer, weil es ihm etwas anderes bedeutete. Es brannte nicht, es wärmte!

Zuerst findet er seine Frau Mildred noch am selben Abend vollgepumpt mit Schlafmitteln im ehelichen Heim. Sie überlebt, aber bei Montag beginnt der Prozess des Nachdenkens. Ist wirkich alles so perfekt in dieser Gesellschaft? Er denkt an die von ihm heimlich bei Einsätzen beiseite geschafften Bücher und spürt den Drang und das Verlangen danach. Verstärkt wird dies noch durch dem Umstand, dass er bei einem seiner nächsten Einsätze den Freitod einer alten Frau erleben muss, die es vorzieht sich mit ihren Büchern zu verbrennen, statt ohne diese zu leben. Montag setzt sich von da an kritisch mit dem System auseinander und macht etwas, das er schon lange zuvor hätte machen müssen … er liest die von ihm versteckten Bücher.

Mehr möchte ich nicht vorwegnehmen – lest selbst wie es Montag nach diesem Schritt ergeht.

Eigentlich kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen, da die Entwicklung und Veränderung in Montag fesseln und das Buch vorantreiben. Die von Ray Bradbury hier geschaffene Zukunft ist im Gegensatz zu anderen Schriftstellern seiner Zeit eher dunkel und bedrückend. Er fügt Hauptcharaktere und Handlung in den Rahmen einer völlig unterdrückten und mundtoten Gesellschaft ein. Freies Denken ist nicht erwünscht und wird kompromisslos verhindert. Ich verstehe das Buch als eine Warnung vor dem, was Zensur und Diktatur im Zusammenarbeit zu leisten vermögen und zum anderen als Erkennen, dass ein nach freiem Denken handelnder Mensch immer zu etwas Großem fähig ist – seiner Selbstverwirklichung. Da Empfinden aber immer eine subjektive Sache ist, muss ich nicht recht haben, aber ich denke ich bin doch recht nah dran. 😉

Das Buch fällt in der mir vorliegenden Version mit 190 Seiten nicht besonders lang aus, aber mehr braucht es auch nicht, um dem Thema einen würdigen Platz zu bieten. Der Titel „Fahrenheit 451“ bezieht sich auf die Temperatur, bei der Papier sich entzündet. Wissenschaftler haben zwar bewiesen, dass hier die Einheiten Grad und Fahrenheit verwechselt wurden, was aber nicht von Bedeutung ist.

Der Stil der Erzählung und das Geschriebene sind beindruckend und vor allem die Wortwahl überzeugt. Vielleicht werde ich mir das Buch nochmals im Englischen vornehmen … übrigens bekommt die Bezeichnung der „fire men“ im Original so eine völlig andere, aber passendere Bedeutung.

Die Verfilmung von François Truffaut aus dem Jahr 1966 wird von Kritikern nur bedingt empfohlen, da wichtige Elemente stark verändert wurden oder komplett fehlen. Der Entwicklung von Montag kann im Film nur bedingt folgegeleistet werden, dennoch bleibt die Grundaussage in beiden Werken gleich. Ich habe den Film vor Lesen des Buches gesehen und konnte mir so ein unvoreingenommenes Urteil bilden, was trotz später Erfahrung mit dem Buch immer noch positiv ausfällt. Ebenso wie das Buch ein Klassiker unter den SciFi-Werken. Wer sich den Film einmal ansehen möchte, sollte seine Augen offen halten, ab und zu läuft er auf den dritten Programmen.

Fazit …

Ein großartiges Buch, das ich nun schon 3 Mal gelesen habe und mich dabei jedes Mal aufs Neue in eine Welt entführte, die für uns in dieser überzogenen Art nicht vorstellbar scheint, aber im realen Leben durchaus ihre Parallelen findet, gibt es doch das ein oder andere Land, dass es ziemlich genau mit „freier“ Meinungsbildung und Kritik am System nimmt. Es regt mich immer wieder zum Nachdenken an.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich ein paar Stunden Zeit zu nehmen, um diesen Klassiker einmal anzugehen. Das Buch in Taschenbuchformat ist bei amazon.de für unter 10 Euro zu haben und jeden Cent wert. Ich denke ihr werdet es nicht bereuen.

(Dieses Buch habe ich im Rahmen der Buch-Challenge 2013 gelesen.)

2 Gedanken zu „Ray Bradbury – Fahrenheit 451

  1. Auch mich hat das Buch schwer beeindruckend, vor allem da es immer noch erstaunlich zeitgemäß und leider hochaktuell ist. Kann mich deiner Empfehlung nur anschließen!

Schreibe einen Kommentar