PlayStation 4 – Review

Seit zwei Monaten besitze ich nun eine PlayStation 4 und habe die Zeit doch recht ausgiebig genutzt, um mehr als nur erste Eindrücke zu sammeln und das ganze Revue passieren zu lassen. Warum ich erst ein knappes Jahr nach Release zugegriffen habe, ist schnell erklärt: auf Grund fehlender Spiele zum Launch der Konsole im vergangenen November und einiger Kinderkrankheiten wollte ich ein bisschen Zeit verstreichen zu lassen. Zeit das Ganze zu beobachten und die Vorfreude zu erhöhen.

Anfangs gelang mir das noch recht gut, doch während meines Urlaub im Sommer bin ich dann doch dem Reiz erlegen und hab mir die PS4 und ein paar Spiele bei amazon bestellt. Und obwohl der Empfang des Pakets, wie auch das Auspacken recht aufregend waren, möchte ich hier kein reines Unboxing präsentieren, denn die gibt es zu Hauf im Netz. Vielmehr soll mein Fazit dem ein oder anderen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Ausgepackt und neben (m)eine PS3 Slim gestellt, kann man gut erkennen, dass die PS4 schmaler und flacher daher kommt. Das eckige Design wirkt zu dem erwachsener und schlichter. Alle wichtigen Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite der Konsole und sind gut zugänglich. Einzig die beiden USB-Buchsen und das Slot-In-Laufwerk befinden sich weiterhin und zu recht an der Front. Hier hat sich sowohl bei der Art und der Anzahl der Anschlüsse im Vergleich zur PS3 nichts geändert.

Der Dualshock 4 – Controller (DS4) ist größer als sein Vorgänger, liegt ordentlich in der Hand und macht vorerst einen guten Eindruck. Besonders fallen das große Touchpad, der neue Share-Button und die überarbeiteten L2/R2-Tasten ins Auge. Gerade bei letzteren kann man nun nicht mehr so leicht abrutschen, was das Handling deutlich angenehmer macht. Die Anordnung der Tasten – Share-Button und Options – ist anfangs gewöhnungsbedürftig, liegt bei mir aber an der verinnerlichten PS3-Steuerung.

Leider sind die erwähnten Schultertasten (L1/R1 und L2/R2) aber auch ein großer Schwachpunkt des Controllers, da sie aus nur einem Stück Plastik gegossen sind. Bei einigen Usern kam und kommt es vor, dass diese Tasten abbrechen oder sich verklemmen. Ein weiterer Knackpunkt am Controller ist die schlechte Gummierung der analogen Sticks. Videos im Internet zeigen, wie bei einigen Nutzern der Gummi weich wird, reißt oder sich ganz ablöst. Bei mir ist bisher noch nichts aufgetreten, aber hier muss Sony unbedingt nachbessern, denn Controllerprobleme gab es bei der PS3 nie.

Der Share-Button bietet die Möglichkeit Screenshots zu schießen oder aus dem letzten 15 Minuten Gameplay Videos zu sichern oder ins Netz zu Facebook oder Twitter laden (eine Unterstützung für youtube folgt). Ein sehr nettes Feature, wenn man mal kurz was lustiges oder seltenes festhalten möchte. Wer klassische Gameplays machen will, zum Beispiel mit der „Elgato Game Capture HD“, kann per Menü die HDMI-Verschlüsselung deaktivieren. Ein zusätzlicher HDMI-Splitter kann somit entfallen.

Was positiv auffällt – Sony hat im Gegensatz zur PS3 gleich das passende HDMI-Kabel zum Anschluss an den Fernseher beigelegt. Des Weiteren liegt ein kleines Headset bei, das direkt an den Controller angeschlossen werden kann und zumindest für den Einstieg ausreicht.

Das beiliegende Micro-USB-Kabel zum Laden des Controllers fällt etwas kürzer aus als bisher. Entweder sitzt man bei gleichzeitigem Laden und Spielen etwas näher dran oder muss sich ein längeres Kabel kaufen. Da die Akkulaufzeit des DS4 deutlich kürzer im Vergleich zu seinem Vorgänger ist, sitze ich nun öfter näher am Geschehen. 😉

Wer Freund des gedruckten Handbuches ist, der sucht vergebens, denn neben den Garantiebestimmungen und Sicherheitshinweisen wird nur eine Schnellstartanleitung mitgeliefert. Das eigentliche Handbuch findet man im Hauptmenü der PS4 und ist somit nur online verfügbar. Für mich eine nachvollziehbare Entscheidung, denn zum einen schaue ich nicht so oft ins Handbuch und zum anderen muss ich es nicht suchen. Nur im Falle eines Defekts ist man dann wohl auf externe Informationsquellen angewiesen.

Anschließen der Kabel und die Inbetriebnahme gehen sehr flott und unkompliziert von der Hand. Nach nicht mal 10 Minuten ist die Ersteinrichtung erledigt. Dabei kann man auch sein bestehendes PSN-Konto weiter verwenden, welches man bereits für PS3 oder PS Vita genutzt hat. Beim ersten Verbinden mit dem Netz wird auch gleich die aktuelle Firmware geladen und installiert. Der ganze Prozess macht einen sehr runden Eindruck.

Das Hauptmenü der PS4.
Das Hauptmenü der PS4.

Für den Start habe ich mir folgende Spiele in Disc-Form gegönnt: Thief, Knack und Wolfenstein The New Order. Mit etwas Abstand folgten dann noch Diablo 3 Ultimate Edition und Infamous: Second Son.

Was mich wirklich beindruckt, ist die Geschwindigkeit mit der Spiele installiert werden. Während man auf der PS3 unter Umständen schon mal bis zu 2 Stunden bei der Installation eines Spiels warten musste, erledigt das die PS4 in Bruchteilen dieser Zeitspanne. Die Installationsgrößen schwanken dabei bis hin zu 50 GB Größe. Da das PS4-System bereits knapp 120 GB auf der integrierten 500 GB Festplatte belegt, kann man sich ausrechnen, dass man damit nicht lange hinkommen wird. Ich habe mir daher gleich zu Beginn eine 1 TB SSHD gegönnt und kann so etwaigen Platzproblemen vorerst aus dem Weg gehen.

Updates zu Spielen oder Downloads generell werden nun im Hintergrund ausgeführt. Ein echter Vorteil gegenüber der PS3, die gleichzeitiges Downloaden und Spielen nicht unterstützt. Man muss somit nicht mehr auf ein Update warten, sondern spielt einfach normal weiter. Erst beim erneuten Start wird das Update angewandt.

Alle neuen Spiele sollten theoretisch in 1080p Full-HD und 60 Bildern pro Sekunde laufen, in der Realität gibt es aber wieder einzelne Entwickler, die dies nicht erreichen können oder wollen. Alle Spiele die ich mir gekauft habe laufen in 1080p und das sieht wirklich sehr ordentlich aus. Zudem erlaubt es die PS4 durch ihre Leistung endlich Kantenglättung zu nutzen. Ein Mangel den die Last-Gen-Konsolen vermissen ließen und dem PC immer zum Vorteil gereichte.

Obwohl keines meiner Spiele die Grenzen der PS4 erreicht, sehen sie dennoch im Vergleich zur PS3 deutlich besser aus. Hier freue ich mich einfach auf die kommenden Jahre, denn je älter eine Konsolen-Generation wird, umso besser sehen die Spiele aus. Vergleiche zum PC kann man sich getrost verkneifen, auch wenn viele gerne diese Gegenüberstellung zur Bewertung heranziehen. Die Leistung entspricht einem mittelmäßig bis gut ausgerüsteten Spiele-PC und wird folglich irgendwann wieder hinterherhängen. Aber mal ehrlich, wenn ich da sehe was die PS3 auf ihre alten Tage mit ihrer doch spärlichen Ausstattung zu Tage brachte, mache ich mir keine Sorgen über irgendwelche kindischen Vergleiche. Konsole ist eben Konsole und kein PC. 😉

Wo ich grad von Leistung sprach – unter der Haube werkelt jetzt eine normale x64 AMD-Architektur mit 8 GB DDR5-Speicher. Dies ist zugleich auch ein wesentlicher Unterschied zur Xbox One, die nur mit DDR3-Speicher bestückt ist. Hier hat die PS4 durch den Geschwindigkeitsvorteil die Nase deutlich vorn. Es bleibt aber abzuwarten, was die Entwickler in den nächsten Jahren noch rauskitzeln können, wenn man an die Grenzen stößt.

Mehr Leistung = Mehr Kühlung? Wenn ich die Leerlaufgeräusche der beiden PS-Generationen vergleiche, ist die PS4 flüsterleise. Unter Last ist sie bei mir bei einigen Spielen aber lauter als ihr Vorgänger. Dazu kommt noch, dass die Plastikfüße, auf denen die PS4 steht, dröhnende Geräusche auf bestimmten Untergründen oder Unterbauten erzeugen. Abhilfe schaffen hier selbstklebende Filzfüße. Positiv dagegen ist aber, dass das Laufwerk jetzt wirklich leise arbeitet – ein Punkt, der mich bei der PS3 immer störte.

Beim neuen Menü der PS4 scheiden sich aber auch bei mir die Meinungen. Die Haptik ist großartig, alles regiert sehr schnell und ist anfangs leicht zu erreichen, aber das Design, dass man als eine Mischung des klassischen XMB-Menüs der PS3 und dem Kacheldesign von Microsoft beschreiben kann, hat seine Tücken. Große Kacheln für Spiele und Anwendungen vermitteln zwar schnellen Zugang zu diesen, da sie aber alle nebeneinander angeordnet sind, wird das bei vielen Spielen schnell unübersichtlich. Wenn man was sucht, scrollt man erstmal fleißig durch alle Anwendungen durch. Sidescroller sind doch was anderes Sony. 😉 Hoffentlich bringen die angekündigten Änderungen für das Menü dann auch eine Ordner-Funktion zum Gruppieren mit.

Ein fraglicher Punkt der mir sofort auffiel ist, dass bei gekauften Spielen mit Disc im Menü ein „Kaufen“-Button angezeigt wird. Ein Klick auf diesen und ich lande im PlayStation Store und kann – Überraschung – das Spiel online noch einmal kaufen!? Was will Sony damit bezwecken? Ich hoffe einfach mal das ist ein Bug, der behoben wird.

Der verwirrende Kaufen-Button bei Original Discs.
Der verwirrende Kaufen-Button bei Original Discs.

Wer online mit Freunden spielen will, wird nun auch wie bei Microsoft schon länger üblich zur Kasse gebeten. Der Zugang zu Online-Features ist nur noch mit einem PlayStation Plus Account möglich, der entweder monatlich, quartalsweise oder jährlich gebucht werden kann. Die Preise liegen dabei bei 4,99 €, 14,99 € und 49,99 €. Im Gegenzug dafür erhält man Speicherplatz in der Cloud um Speicherstände zu sichern und monatlich wechselnde kostenlose Spieletitel per Download. Letzteres ist sehr interessant, da in der Vergangenheit für die PS3 immer recht gute Titel dabei waren. Hier muss man aber noch ein bisschen Zeit verstreichen lassen, bis wohl auch die ersten „großen“ Titel für PS4 quasi „gratis“ zur Verfügung gestellt werden. Aktuell beschränkt sich die monatliche Auswahl zumeist auf Indie-Titel, was aber nicht schlecht sein muss.

Apropos Freunde – leider hat Sony irgendwie vergessen, dass man gegebenenfalls darüber informiert werden möchte, wenn einer seiner Freunde den Status „Online“ erreicht. Ebenso fehlen irgendwie immer noch der Support für MP3 und DLNA – alles Dinge, die auf der PS3 Standard waren und sind. Gut, seit kurzem ist es möglich 3D-BlueRays abzuspielen, aber warum werden diese Funktionen so häppchenweise integriert? Hier merkt man doch deutlich, dass die PlayStation 4 ein Jahr zu früh am Markt war. Aber so ist das scheinbar, wenn man die Konkurrenz fürchtet.

Da ich bisher keine der oben genannten Funktionen nutzte, vermisse ich sie aber auch nicht. Die PS4 ist bei mir eine reine Spielekonsole – BlueRays oder DVD’s schauen wir immer noch auf der PS3. Die PS3 ist bei mir übrigens nicht aus der Mode gekommen und wird fleißig weiter genutzt. Die beiden führen nun also ein gleichberechtigtes Leben nebeneinander her. Noch. 😉

Negativ aufgefallen sind mir noch 2 Bugs: zum einen startete die PS4 neulich ohne Soundausgabe, was sich durch einen Neustart beheben lies, bei mir aber einen verwirrten, fragenden Blick hinterließ. Zum anderen gab es ein Problem, wenn man gleichzeitig versucht Infos zu einem Spiel anzuzeigen und die Spiel-Disc per Menü auswerfen lässt – Folge war ein Absturz der PS4 mit anschließend angezeigtem Fehlercode, den ich aber direkt zu Sony schicken konnte. Ich tippe stark auf Softwarefehler, die hoffentlich beseitigt werden.

Fazit:

Man muss festhalten, dass die PS4 die beste Konsole am Markt ist und mit ihrer Leistungsfähigkeit eine großartige Plattform für aktuelle und kommende Spiele ist und sein wird. Wer eine Spielekonsole für die nächsten Jahre sucht, kann beruhigt zugreifen.

Wer mit der aktuell angebotenen Spielepalette noch nicht viel anfangen kann, sollte vielleicht mit einer Anschaffung bis 2015 warten. Nicht nur das Angebot an großen Titeln wird steigen, es kann durchaus sein, dass Sony ein Modell mit einer größeren Festplatte oder einen überarbeiteten Controller auf den Markt bringt. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Firmware und die damit verbundene Integration neuer (alter) Feature entwickeln wird.

Ich bin trotz einiger kleiner Makel vollauf begeistert und kann sie wirklich empfehlen. Ich freue mich auf 2015, denn das wird definitiv ein gutes PS4-Jahr.

 

 

 

 

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