Eishockey auf Rasen? – Dortmund im Halbfinale

Das der Pokal seine eigenen Gesetze hat und manch „kleiner“ Verein durchaus über sich hinaus wachsen kann, ist wohl jedem Fußballfan bekannt. Wenn man dann noch beim „Pokalschreck“ antreten muss, ist man doch im Vorfeld als Fan etwas angespannt. So erging es auch mir am gestrigen Abend, an dem Borussia Dortmund beim Viertligist Holstein Kiel zum Viertelfinale des DFB-Pokals antreten musste.

Quelle: www.bvb.de

Die Pokalhelden aus Kiel, die in den Runden zuvor Cottbus, Duisburg und Mainz ausschalteten wollten mit breiter Brust auflaufen. Zu verlieren hat in so einer Ansetzung meist nur der Große, dementsprechend war das Selbstvertrauen der Kieler riesig. 11.522 Zuschauer fanden den Weg ins Holstein-Stadion, darunter ca. 2500 BVB-Fans.Die äußeren Bedingungen waren nicht optimal: der geschundene Rasen wurde zuvor durch neues Grün ersetzt und mittels einem Zelt vor Schnee und Wetter geschützt. Diese Maßnahmen verhinderten leider nicht, dass das Geläuf zu Spielbeginn steinhart gefroren war.

Borussia war gewarnt und wollte die Kieler mit hohem Einsatz bezwingen.

Auf dem hart gefrorenen Rasen entwickelte sich ein ansehnliches Spiel, bei dem der Regionaligist die erste Großchance nach 8 Minuten verbuchen konnte. Der Schuss von Heider konnte aber durch Borussias Schlußmann gehalten werden. Im direkten Gegenzug komm Robert Lewandowski nach einem Seitfallzieherversuch von Perisic frei zum Torschuss und auch zum Erfolg. Nur 8 Minuten später schließt Dortmund einen guten Spielzug perfekt ab: Kehl spielt mit Übersicht steil in den Lauf von Piszczek, der legt von der Grundlinie zurück auf Kagawa, der völlig freistehend das 2:0 schießt. Der Doppelschlag bringt in der Folge noch mehr Ruhe in das Spiel der Dortmunder, die nun clever in der Defensive gegen weiter mutig nach vorn spielende Kieler agieren.

Nach der Pause versuchte Kiel alles, scheitert aber ein ums andere Mal an der Borussen-Viererkette. Beide Seiten kamen mit den Verhältnissen besser klar und spielten nun auch technisch ansprechenden Fußball. Kurz vor Ende erhöte der BVB nochmal die Schlagzahl und kam durch Lucas Barrios in der 81. Munute zum 3:0. Damit viel dann auch endlich die Anspannung von mir ab. Kurz vor Ende noch eine selten gewordenen Szene im deutschen Fußball: der Kieler Torhüter nahm den Ball nach einem Rückpass mit der Hand auf und folgerichtig gab es indirekten Freistoß im Strafraum. Schon beim Stellen der Mauer auf der Torlinie, war zu erahnen, dass es gleich 4:0 stehen wird, ließen die Kieler doch eine Riesenlücke. Es kam was kommen musste: Perisic verwandelte den fälligen Freistoß in der 88. Minute. Das Spiel endete somit verdient 4:0.

Im Interview der ARD mit Jürgen Klopp nach dem Spiel, zeigte dieser Respekt vor der Leistung der Kieler, fand aber auch harte Worte gegenüber dem Fernsehen und dem DFB. Klopp kritisierte, dass man auf diesem hart gefrorenen Rasen nicht hätte spielen dürfen, würde das Verletzungsrisiko für alle Beteiligten doch extrem hoch liegen. Er spielte auch darauf an, dass die Medien hier zu viel Einfluss haben und das Spiel unter allen Umständen zu Gunsten der Live-Übertragung stattfinden würde. Wie Kloppo bin auch ich der Meinung, dass man einen Ersatztermin für dieses Spiel hätte finden müssen. Es in Kiel stattfinden zu lassen, geht völlig in Ordnung. Heimrecht ist Heimrecht, aber die Gesundheit der Spieler sollte an oberster Stelle stehen und der Platz sollte in einem „weicheren“ Zustand sein. Sinngemäß sagte Klopp gestern: „Man spiele Eishockey ja auch auf Eis und nicht auf Rasen!“ … Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Borussia Dortmund setzt sich unter dem Strich souverän gegen einen gut spielenden Gegner durch und steht somit bereits zum 10. Mal als Halbfinalist fest. Mit Spannung schaue ich auf die heutigen Spiele der anderen Mannschaften, sowie auf die Auslosung am späten Samstagabend im ZDF Sportstudio. Vielleicht gibt es ja noch die ein oder andere Überraschung. 🙂

Noch 2 Spiele trennen uns vom Pott … ob es wirklich klappt?

Es wäre traumhaft. Heja BVB!

 

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