Durchgespielt – Gran Turismo 6

Nach der Ankündigung von Gran Turismo 6 für die PlayStation 3 im letzten Jahr, habe ich mit viel Vorfreude auf das Release im Dezember gewartet und pünktlich zu Verkaufsbeginn zugeschlagen. Nach knapp 12800 gefahrenen Kilometern habe ich nun in GT6 alles erreicht und gesehen, was zur Komplettierung des Spiels nötig war. Zeit für ein kleines Fazit, um zu sehen, wie sich GT6 im Vergleich zum direkten Vorgänger entwickelt hat.

Was sofort auffällt, wenn man die ersten „Schritte“ macht, ist das neu gestaltete Menü – übersichtlich angeordnet und leicht zu bedienen. Allgemein hat sich an der Haptik einiges getan: Ladezeiten bei Rennevents oder zum Beispiel beim Autokauf wurden im direkten Vergleich mit GT5 deutlich reduziert. Wer schon mal an die 1000 Autos in GT5 kaufen musste, weiß was ich meine.

Der Einstieg fällt definitiv leicht – ein kurzes Tutorial meistern, ein Auto kaufen und in der Anfängerserie das erste Rennen starten. Einmal auf der Strecke fällt die verbesserte Grafik auf – das Spiel sieht für ein PS3-Spiel sehr gut aus. Strecken und Autos wurden hier noch einmal deutlich überarbeitet. Vor allem die Autos sehen dank Spiegelungen und bessere Oberflächendarstellung viel realistischer aus, wenngleich ich fast ausschließlich die Stoßstangenperspektive nutze. 😉

Das Streckenrepertoir wurde dank zahlreicher neuer Kurse, wie Silverstone, Willow Springs, Bat Hurst oder Ascari, nochmals erweitert. Zudem kann man sich beim Goodwood Hillclimb Festival versuchen und dabei mit Fahrzeugen unterschiedlichster Leistungsklassen auf Zeitenjagd gehen. Wem das noch nicht reicht, kann ich einen Ausflug auf den Mond empfehlen. Ja richtig gelesen … Mond. In 3 verschiedenen Events kann man mit dem Lunar Rover über die Mondoberfläche „rasen“ und dank geringer Schwerkraft so manchen Monsterstunt hinlegen. Definitiv eine sehr witzige Idee.

Auch die Auswahl an rollenden Material wurde nochmal kräftig aufgestockt. Im realen Leben müsste man schon einiges an Geld und Platz aufbieten, um den ca. 1300 Fahrzeugen gerecht zu werden. Klar fällt hier natürlich ins Gewicht, dass quasi jedes japanische Auto der jüngeren Zeit im Spiel integriert ist, aber dennoch ist die Palette an Marken und Typen sehr umfangreich. Apropos Geld … ohne Geld geht auch bei GT6 nichts. Für Platzierungen oder Siege in den Rennen oder Herausforderungen bekommt man entsprechende Preisgelder. Leider ist das auch in GT6 wieder recht sparsam bemessen und für so manches Auto muss man schon ordentlich sparen – sparen durch fahren lautet also das Motto. Wer schneller Geld braucht, kann sich per Minitransaktion Ingame-Währung für echtes Geld kaufen … kein schönes Geschäftsmodell, aber leider aktuell in der Branche üblich. Ich für meinen Teil halt davon nichts und nutze die konventionelle Methode Geld zu verdienen.

Neben erwähnten Preisgeldern erhält man ebenfalls nach abschneiden gestaffelt ein bis drei Sterne, deren Gesamtzahl für ein Voranschreiten in der Karriere dienen. Pro Karrierestufe ist eine bestimmte Anzahl nötig, um am Ende die Lizenz für darüber liegende Serie zu meistern. Das alte Erfahrungssystem wurde somit komplett verworfen. War es in GT5 gelegentlich noch notwendig, bereits gefahrene Rennen für weitere Erfahrungspunkte zu wiederholen, fällt dies nun weg und man kommt schneller voran. Ebenso gestrichen wurde der nicht so spektakuläre B-Spec-Modus, bei dem man einen virtuellen Fahrer anheuern konnte und ihn bei seinen nicht wenigen Rennen zusehen konnte – ein unglaublicher Zeitfresser für alle die auf 100% Spielvergnügen setzten. 😉

Neben diesen Neuerungen sind leider auch schon aus GT5 bekannte und neue Kritikpunkte zu finden. An erster Stelle steht für mich immer noch die mäßige KI, die immer noch auf ihrer festen definierten Linie beharrt und so gelegentlich zu unfreiwilligen Drehern auf Spielerseite führt. Zudem kann man immer noch bei fast allen Rennen ein überlegenes Auto an den Start bringen, ohne das hier die KI entsprechend angepasst oder besser ausgestattet wird. Fordernder sind das schon die Rennen, bei denen alle Fahrzeuge gleich sind und dabei wirklich das eigene Können entscheidend ist.

Obwohl „fordernd“ gleich den nächsten Kritikpunkt aufzeigt: der Schwierigkeitsgrad wurde im Vergleich zu GT5 drastisch gesenkt. Um das Spiel zu „platinieren“ ist es nun nicht mehr erforderlich jedes Rennen oder Herausforderung mit einer Gold-Bewertung abzuschließen. Manchen Spieler mag das sicher freuen, denn die „Goldstandard“-Trophy aus GT5 war der „Spreu-vom-Weizen“-Trenner und wirklich nur mit viel Aufwand zu meistern. Ich hätte mir aber gerne etwas Vergleichbares in GT6 gewünscht. Die Herausforderung fehlt mir hier einfach, denn so bin ich fast ohne einen Frustmoment durch das Spiel gekommen. Und das will im Vergleich zu GT5 schon was heißen. 🙂

Die Anzahl der Rennen und Herausforderungen, die zum Komplettieren des Spiels beitragen haben sich leider reduziert. Unter anderem wurden die Langstreckenrennen komplett gestrichen. Schade, denn gerade die fand ich seit der Einführung der Zwischenspeicherfunktion in GT5 als bestes Spielelement. Aber immerhin kann ich ja die 3 Events auf dem Mond fahren. Ob es das Manko der gestrichenen Elemente wieder wettmacht sei mal dahin gestellt. Manche Optionen wie der angekündigte GPS-Editor, der einem Ingame-Nachbildungen seines Weges zur Arbeit bieten sollte, haben es bis heute nicht ins Spiel geschafft. Schade eigentlich.

Fazit:

Unter dem Strich steht ein gutes Rennspiel, dass mit für die PS3 beindruckender Grafik, einer außergewöhnlichen Fahrphysik, einem großen Fuhrpark und vielen Strecken überzeugen kann. Die Änderungen der Menüführung und die verkürzten Ladezeiten machen das Spiel einsteigerfreundlicher. Durch die Senkung des Schwierigkeitsgrad und Anzahl der Events reduziert sich aber auch die Spielzeit deutlich und lässt so viel Potential liegen. Hier ist leider zu erkennen, dass diese Version sich eher an Gelegenheitsspieler richtet. Die Neuerungen und Schwächen zusammenfassend betrachtet, würde ich dem Spiel 7,5 von 10 Punkten geben, wobei GT5 bei mir bei einer 8,5 landet.

Eigentlich ist es somit eher ein Gran Turismo 5.5 statt einer 6.0, aber dennoch ein sehr gutes Rennspiel.

Schreibe einen Kommentar